Redebeitrag zum Klimastreik am 1.3.2024

Hochtransparent mit der Ausfischrift "Disrupt fossil capitalism"

Unter dem Moto "Wir fahren zusammen" riefen Fridays for Future und Verdi auch in Mannheim wie bundesweit in vielen anderen Städten am 1.3. zu einer Demonstration auf. Das Ziel dabei: Beschäftigte des ÖPNV und Klimaaktivist*innen kämpfen gemeinsam für eine klimagerechte Mobilität. In unserem Redebeitrag auf der Abschlusskundgebung, den wir im Folgendenden dokumentieren, kritisierten wir die Scheinlösung E-Auto und machten auf die Aktionstage gegen die Erweiterung der Tesla-Gigafabrik bei Berlin aufmerksam. Weitere Infos zu den anstehenden Protesten gegen Tesla findet ihr hier: https://disrupt-now.org/disrupt-tesla/

 Liebe Freund*innen,

gemeinsam mit den Aktiven von "Wir fahren zusammen" stehen wir heute hier, um für eine zukunftsfähige und klimagerechte Mobilität für alle zu kämpfen. Mobilität für alle: Das bedeutet auch, dass wir uns entschlossen gegen jeden Versuch stellen, uns einen vermeintlich grüneren Individualverkehr als Lösung zu verkaufen.

Dafür setzt sich auch die Initiative "Tesla den Hahn abdrehen" ein. Die Aktivist*innen engagieren sich gegen den Ausbau der Tesla-Gigafabrik in Grünheide in Brandenburg. Die Fabrik steht nämlich mitten in einem Wasserschutzgebiet.  Schon jetzt reicht ein Unfall, um das Grundwasser in Grünheide auf Jahrzehnte zu verschmutzen. Und schon jetzt hat die Fabrik einen unglaublichen Durst. Der private Wasserverbrauch wurde bereits gedeckelt, und öffentliche Bauprojekte wurden wegen Wassermangel auf Eis gelegt. Ganz zu schweigen von den Folgen für Natur und Wälder wenn das Grundwasser massiv abgepumpt wird. Es bahnt sich eine lokale Dürre mit all ihren Folgen für die Region an. Wenn das Werk ausgebaut wird, soll die Produktion vervierfacht werden, und der Wasserverbrauch steigen - das darf nicht passieren. Bei einer Bürgerbefragung haben sich über 60% der Grünheider Anwohner*innen gegen den Ausbau ausgesprochen - hoffentlich können sie sich durchsetzen.

Aber auch unabhängig von den lokalen Auswirkungen der Teslafabrik in Grünheide sind Elektroautos keine Lösung. Keine Frage: Elektroautos stoßen auf ihre Lebensdauer gerechnet deutlich weniger CO2 aus als Verbrenner, und mit fortschreitender Technik und dem Ausbau von erneuerbaren Energien wird das auch weiter sinken. Aber da hören die Vorteile schon auf. Alle anderen Probleme, die Autos und Individualverkehr mit sich bringen bleiben. Auch Elektroautos brauchen Straßen und Parkplätze, und damit Flächenversiegelung. Auch Elektroautos stehen die meiste Zeit ungenutzt herum und verbrauchen Platz in unseren Städten. Statt wie jetzt Erdöl, werden für Elektroautos eben seltene Erden und Metalle dem Boden entrissen. Statt Umweltkatastrophen durch Unfälle auf Ölbohrinseln oder Tankern gibt es jetzt Umweltkatastrophen und Menschenrechtsverletzungen durch den Abbau von Lithium und Co., und von einem Plan für die Entsorgung der ausgedienten Akkus fehlt jede Spur!
Jetzt, wo Verbrenner so langsam in Verruf geraten und damit auch nicht mehr so rentabel sind, sucht sich der Kapitalismus eben einen neuen Ort für Ausbeutung und Raubbau an Mensch und Natur. Ganz anders als oft behauptet sind Elektroautos alles andere als grün - sie sind nur grün angestrichener Kapitalismus. Seit Jahren rufen wir "system change not climate change" auf den Demonstration der Klimagerechtigkeitsbewegung. Das heißt für uns weg mit dem Kapitalismus und her mit echter Klimagerechtigkeit. Und dafür brauchen wir echte Lösungen - und keine vermeintliche Optimierung des bestehenden Systems. Statt Autokapitalismus und Individualverkehr brauchen wir Mobilität für alle. Statt neuer Straßen und noch mehr Autos brauchen wir einen starken Nah- und Fernverkehr.

Dafür stehen wir heute hier in Solidarität mit den Beschäftigten im ÖPNV und der Kampagne "Wir fahren zusammen!". Wir müssen gemeinsam für eine gerechte Moblität für alle kämpfen, und zwar mit allem was dazugehört. Statt Elektroautos brauchen wir Züge und Busse. Statt neuer Autobahnen und Parkplätze brauchen wir Schienen und Fahrradwege. Statt mieser Arbeitsbedingungen brauchen wir gute Löhne und faire Arbeitszeiten. Statt grün angestrichenem Kapitalismus brauchen wir Klimagerechtigkeit!

Auch den Kampf gegen die Teslafabrik in Grünheide können wir unterstützen. Die Plattform "Disrupt" ruft vom 8. bis 12. Mai zu Aktionstagen in Grünheide auf. Haltet euch die Tage frei und fahrt mit euren Freund*innen nach Brandenburg um den Ausbau der Gigafabrik zu stoppen!